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11.06.2019

Arbeitskreis gegen sexuellen Missbrauch

Referentin Rita Steffes-enn (fünfte von rechts), Arbeitskreisleiterin Helga Forster (dritte von rechts), und die Mitglieder des Arbeitskreises Fotografin: Alexandra Albang

Bis auf den letzten Platz besetzt war das Haus des Guten Hirten bei der Fachtagung „Täterstrategien und Täterdenken bei sexuellem Missbrauch – Nutzen für die Präventionsarbeit!“. Veranstalter war der Arbeitskreis Sexueller Missbrauch im Landkreis Schwandorf. Dass 80 Teilnehmerinnen und Teilnehmer aus den verschiedenen Bereichen der Kinder- und Jugendarbeit aus dem Landkreis und weitere Fachkräfte aus Einrichtungen der ganzen Oberpfalz daran teilnahmen, zeige, so die Gleichstellungsbeauftragte und Koordinatorin des Arbeitskreises Helga Forster, die Bedeutung des Themas und dass viele Fachkräfte Informationen zu dem Thema suchen.  

Kriminologin Rita Steffes-enn, extra aus Rheinland-Pfalz angereist vom Zentrum für Kriminologie & Polizeiforschung, zitierte in ihrem Vortrag eingangs die sogenannte MiKADO-Studie der Universität Regensburg. Diese hatte untersucht, warum so viele sexuelle Gewalttaten an Kindern im Verborgenen bleiben. Demnach erlebt jedes achte bis zehnte Kind im Alter bis 12 Jahren sexuellen Missbrauch im Sinne des Strafgesetzbuches. Davon wird nur ein Prozent den Behörden bekannt. Die Hälfte der betroffenen Kinder teilt sich aus Scham niemandem mit. Ein Viertel spricht aufgrund von Drohungen durch den Täter nicht über die Tat. 

Rita Steffes-enn bedauerte, dass in der Regel von pädophilen Tätern ausgegangen wird. Tatsächlich machen diese aber nur 20 - 40 Prozent aus. Pädophilie ist eine Krankheit, die Frauen und Männer zu gleichen Teilen betrifft. Die Vielzahl der sexuellen Gewalttaten an Kindern werde aber aus anderen Gründen begangen. Täter gehen sehr geschickt vor und investieren viel Zeit, das Vertrauen und die Liebe der Kinder zu gewinnen. Deshalb ist es sehr wichtig, Kindern klar zu machen, dass die Verantwortung für eine Tat immer beim Täter, nie beim Kind liegt. 

Ausführlich ging die Referentin darauf ein, welche Odyssee Kinder nach der Aufdeckung des sexuellen Missbrauchs drohen kann, wenn nicht behutsam und bedacht vorgegangen wird und ein stabiles Umfeld geschaffen wird. Rita Steffes-enn gab zu bedenken, dass durch die Verbreitung von kinderpornografischem Material im Internet ein lebenslanger Missbrauch entsteht, der nicht beendet werden kann. „Menschen können sich oft gar nicht vorstellen, was in der Realität alles passiert“, so Rita Steffes-enn zum Abschluss der Tagung. 

Für die Kriminologin ist Vernetzung die beste Prävention. Sie appellierte an die anwesenden Fachkräfte, bereits im Vorfeld einer Aufdeckung eng zusammenzuarbeiten und Strukturen für den Ernstfall zu schaffen. 

Der Arbeitskreis sexueller Missbrauch tut dies im Landkreis Schwandorf bereits sehr vielen Jahren. Der Arbeitskreis Sexueller Missbrauch ist ein seit 1993 bestehender Zusammenschluss von Beratungs- und Hilfseinrichtungen und staatlichen Stellen sowie den Jugendsozialarbeitern an Schulen, die im Landkreis Schwandorf mit diesem Thema befasst sind. 

Bild:
Referentin Rita Steffes-enn (fünfte von rechts) Arbeitskreisleiterin Helga Forster (dritte von rechts), und die Mitglieder des Arbeitskreises

Fotografin: Alexandra Albang